Sehr geehrte Damen und Herren,

 

im Anschluss an die öffentliche Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zur Petition 185291 zur Zukunft der Kinderkrankenpflege möchten wir als Berufsverband der freiberuflich tätigen Gesundheits– und Kinderkrankenpflegekräfte e.V. (BV KiKra e.V.) unsere Position erneut und in aktualisierter Form darlegen.

Die Anhörung hat aus unserer Sicht deutlich gemacht, dass die Frage der Spezialisierung in der Kinderkrankenpflege nicht allein eine Ausbildungsfrage ist, sondern vor allem eine Frage der Versorgungsqualität, der Kinderwohlsicherung und der fachlichen Sicherheit in der Betreuung von Kindern und Familien.

 

  1. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Die Pflege von Kindern und Jugendlichen stellt ein eigenständiges, hochkomplexes Fachgebiet dar. Sie erfordert spezifische Kenntnisse in der Entwicklungspsychologie, Pädiatrie, Familienarbeit sowie in der Einschätzung von Bindungs-, Interaktions- und Entwicklungsprozessen im familiären Kontext.

Kinder unterscheiden sich in ihrer physiologischen, emotionalen und sozialen Entwicklung grundlegend von Erwachsenen. Daraus ergibt sich zwingend die Notwendigkeit einer eigenständigen fachlichen Spezialisierung innerhalb der Pflegeberufe.

 

  1. Kinderkrankenpflege im gesamten Versorgungssystem

Kinderkrankenpflege findet nicht nur im Krankenhaus statt, sondern in hohem Maße auch im häuslichen Umfeld, in der Prävention, in der Familienbildung sowie im ambulanten Versorgungssystem.

Ein besonderer Schwerpunkt der freiberuflich tätigen Kinderkrankenpflegefachkräfte liegt in den Frühen Hilfen. Dort begleiten sie Familien frühzeitig, niedrigschwellig und kontinuierlich im direkten Lebensumfeld des Kindes. Sie leisten damit einen zentralen Beitrag zur frühzeitigen Unterstützung von Familien sowie zur Prävention von Entwicklungsrisiken und Kindeswohlgefährdung.

Darüber hinaus sind sie tätig in:

  • der sozialmedizinischen Nachsorge
  • der ambulanten / mobilen Kinderkrankenpflege
  • der ambulanten Kinderhospiz- und Palliativversorgung
  • der pädiatrischen Familien- und Gesundheitsberatung
  • sowie in präventiven Angeboten der Familienbildung

 

  1. Professionelle Handlungskompetenz als Grundlage der Versorgung

Die dort tätigen Kinderkrankenpflegefachkräfte übernehmen hochkomplexe und verantwortungsvolle Aufgaben im ambulanten und präventiven Bereich.

Um diese Tätigkeiten fachlich sicher, eigenständig und verantwortungsvoll ausüben zu können, ist ein hohes Maß an professioneller Handlungskompetenz in der pädiatrischen Pflege erforderlich.

Diese umfasst insbesondere:

  • Einschätzung kindlicher Entwicklung und Entwicklungsrisiken
  • Beobachtung von Interaktions- und Bindungsprozessen
  • frühzeitige Risikoerkennung im familiären Kontext
  • pflegerische und beratende Interventionen im Entwicklungsverlauf
  • Unterstützung bei Ernährung, Regulation und Schlaf
  • präventive Elternarbeit und Begleitung im Familiensystem

Nur auf Grundlage einer vertieften und spezialisierten Qualifikation kann diese anspruchsvolle Tätigkeit im ambulanten und präventiven Bereich qualitativ hochwertig gewährleistet werden.

 

Die freiberuflich tätige Kinderkrankenpflege nimmt insbesondere in den Frühen Hilfen eine zentrale Rolle im Versorgungssystem ein. Sie trägt wesentlich dazu bei, Belastungssituationen, Entwicklungsrisiken und mögliche Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig geeignete Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.

Frühe Hilfen sind damit ein zentraler Bestandteil eines wirksamen Kinderschutzsystems.

Eine fachlich qualifizierte, spezialisierte Kinderkrankenpflege verhindert nicht nur Eskalationen in familiären Krisensituationen, sondern trägt auch dazu bei, langfristige Folgeprobleme im Gesundheits-, Sozial- und Hilfesystem zu vermeiden. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung von Familien und zur Verbesserung kindlicher Entwicklungs- und Teilhabechancen.

Die Stärkung der spezialisierten Kinderkrankenpflege ist daher sowohl eine Frage der Versorgungsqualität als auch eine Investition in ein nachhaltiges, präventiv ausgerichtetes Gesundheitssystem.

 

  1. Spezialisierung als Voraussetzung für Versorgungsqualität

Die generalistische Pflegeausbildung verfolgt das Ziel, Pflegefachpersonen breit für alle Altersgruppen zu qualifizieren. Dies ist ein wichtiger Ansatz.

Gleichzeitig zeigt die Praxis jedoch, dass die pädiatrischen Ausbildungsanteile begrenzt sind und nicht die notwendige fachliche Tiefe erreichen, die für die eigenständige Versorgung von Kindern erforderlich ist.

Insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen sowie bei Erkrankung, Behinderung oder psychosozialer Belastung benötigen Kinder und Familien eine kontinuierliche, hochqualifizierte fachliche Begleitung.

 

  1. Perspektive der freiberuflichen Versorgung

Freiberuflich tätige Kinderkrankenpflegefachkräfte leisten einen wesentlichen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Gesundheitssystem. Sie:

  • schließen Versorgungslücken im ambulanten Bereich
  • begleiten Familien kontinuierlich im häuslichen Umfeld
  • sichern Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Versorgung
  • leisten präventive und gesundheitsfördernde Arbeit

Ein Wegfall der Spezialisierung würde langfristig zu einem Rückgang qualifizierter Fachkräfte in diesen Versorgungsbereichen führen und damit die Versorgungssicherheit von Kindern und Familien erheblich beeinträchtigen.

 

Die Anhörung im Petitionsausschuss hat gezeigt, dass die fachliche Bedeutung der Kinderkrankenpflege grundsätzlich anerkannt ist.

Gleichzeitig bestehen unterschiedliche Einschätzungen darüber, wie die pädiatrische Fachkompetenz künftig strukturell im Ausbildungssystem verankert werden soll. Die Haltungen zur Spezialisierung waren erkennbar divers und reichten von einer stärkeren Betonung der generalistischen Ausbildung bis hin zur klaren Unterstützung einer eigenständigen pädiatrischen Vertiefung.

Damit ist die politische Bewertung des weiteren Vorgehens weiterhin offen.

Der BV KiKra e.V. spricht sich ausdrücklich für den Erhalt der Wahlmöglichkeit zur Spezialisierung in der Kinderkrankenpflege gemäß § 59 Pflegeberufegesetz aus.

Nur durch eine gezielte Spezialisierung kann die notwendige fachliche Qualität in der Versorgung von Kindern und Familien langfristig sichergestellt werden.

Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen erfordert spezialisierte fachliche Kompetenz, die über generalistische Grundqualifikationen hinausgeht. Diese entsteht durch vertiefte Ausbildung, fachliche Spezialisierung und kontinuierliche Weiterentwicklung.

 

Wir bitten Sie daher, die Wahlmöglichkeit zur Spezialisierung in der Kinderkrankenpflege zu erhalten und politisch zu unterstützen.

Für einen fachlichen Austausch stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Katja Ossadnik

für den Berufsverband für freiberufliche Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekräfte e.V.

Weitere Informationen

Veranstaltungen

Der BV Kikra e.V. organisiert verschiedene ein- und mehrtägige Veranstaltungen pro Jahr. Hier finden Sie unsere Seminare, Fortbildungen und sonstige Termine im Überblick…

Mehr erfahren

Tipps für die Selbstständigkeit

Der Schritt in die Selbstständigkeit als Kinderkrankenschwester wirft zu Beginn viele Fragen auf. Wir liefern Ihnen die wichtigsten Antworten für einen erfolgreichen Start…

Tipps anschauen

Mitglied werden

Sie möchten sich als Kinderkrankenschwester selbstständig machen? Dann werden Sie jetzt Mitglied im BV Kikra e.V. und profitieren Sie von zahlreichen Vorteilen…

Mehr zur Mitgliedschaft